MBA Health Care Management an der Ernst-Abbe-Hochschule Jena

Das Programm MBA Health Care Management an der Ernst-Abbe-Hochschule Jena (EAH) startete zum Wintersemester 2012/2013. Er richtet sich vor allem an Ärzte, die dort Führungspositionen übernehmen oder sich selbstständig machen wollen. Sie erwerben die dafür nötigen wirtschaftswissenschaftlichen Fähigkeiten. Der Studiengang ist aber auch für Menschen geeignet, die etwa einen juristischen Hintergrund haben, im Gesundheitsbereich arbeiten und sich medizinisches Wissen aneignen wollen.

Etwa alle zwei Wochen kommen die Teilnehmer des Studiengangs freitags nachmittags und samstags zu den Seminaren nach Jena. Zuvor haben sie sich mithilfe der zugesandten Lernunterlagen auf die einzelnen Kurse im Selbststudium vorbereitet. Im Unterricht diskutieren sie nun über die Inhalte mit den Professoren oder Dozenten sowie den Kommilitonen.

Prinzipiell gliedert sich das Studium in drei Teile. In den ersten beiden Semestern sowie in einem Seminar im vierten Halbjahr wird wirtschaftwissenschaftliches Know-how vermittelt – allerdings immer mit Bezügen zum Health-Care-Sektor. Im dritten Abschnitt stehen hingegen dezidiert Inhalte aus dem Gesundheitsbereich, der Medizin und dem Krankenhausmanagement auf dem Stundenplan. Große Teile des vierten Semesters sowie drei weitere Monate im Anschluss widmen sich die Studenten dem Verfassen der Masterarbeit, für die sie sich ein Thema aus ihrem Arbeitsbereich suchen können.

Im wirtschaftswissenschaftlichen Abschnitt des Programms beschäftigen sich die Teilnehmer im ersten Semester zunächst mit der Personalwirtschaft. Wie funktioniert das betriebliche Gesundheitsmanagement? Welche arbeitsrechtlichen Punkte müssen Führungskräfte beachten? Und wie kann sich das Personal am besten entwickeln? Das sind die Fragen, die dieses Modul beherrschen. In einem zweiten Seminar machen sich die Studenten mit der Führung von Unternehmen, dem Controlling und der Investitionsrechnung vertraut, ehe sie im dritten Modul eine Einführung in Gesundheitsökonomie und Gesundheitspolitik bekommen.

Im zweiten Halbjahr erfahren die Teilnehmer zunächst, wie man als Führungskraft Verträge verhandelt und bei Streitigkeiten vermittelt. Dann stehen juristische Fragen auf dem Programm – Steuerrecht, aber auch ärztliches Berufsrecht, Arztstrafrecht, Arzthaftungsrecht und Sozialrecht. Zudem werden ethische Fragen aufgeworfen. Inwieweit sind Ethik und Medizin miteinander vereinbar? Was macht eine Evidence Based Medicine aus? Abgeschlossen wird das zweite Semester mit einer Einführung in die Technik des betriebswissenschaftlichen Arbeitens sowie einem Planspiel. Denn im Studium sollen auch die Softskills gefördert werden. Bevor die Masterarbeit beginnt, folgt im vierten Semester noch ein weiteres betriebswirtschaftliches Modul: Organisationsmanagement. Hier stehen Projekt- und Qualitätsmanagement im Fokus.

Besonderheiten des Studiums

Das dritte Semester steht ganz im Zeichen der Vertiefung des MBA in das Health Care Management: Im Modul Gesundheitsevaluation vergleichen die Teilnehmer verschiedene Gesundheitssysteme auf der ganzen Welt. Das Seminar Gesundheitsmanagement thematisiert u.a., wie man Prozessmanagement im Gesundheitsbereich interdisziplinär organisiert und es kommuniziert. Im Modul Krankenhausmanagement lernen die Studenten die Finanzierung von Krankenhäusern und ihre operative Steuerung kennen. Gleichzeitig erfahren sie, mit welchen Werkzeugen man Krankenhäuser am besten führt und steuert.

Aufnahmeverfahren

Das Studium beginnt zum Wintersemester. Bewerbungsschluss ist der 15. September. Weitere Informationen und aktuelle Termine sind auf der Website des Studiengangs abrufbar.

Ablauf des Bewerbungsverfahrens

  • Wer die Zulassungsvoraussetzungen erfüllt, kann sich bewerben: mindestens zwei Jahre Berufserfahrung, gute Englischkenntnisse und ein abgeschlossenes Hochschulstudium mit mindestens 210 ECTS. Wer durch seinen Abschluss nur 180 Creditpoints erworben hat, kann die restlichen durch einen Sonderstudienplan nachholen.
  • Der Interessent füllt den Bewerbungsbogen des Masterportals aus und schickt ihn mit beglaubigten Kopien des Hochschulabschlusszeugnisses, einer Kopie der Hochschulzugangsberechtigung, einem Passbild, einem Nachweis der Krankenversicherung und (freiwillig) einem tabellarischen Lebenslauf an die Hochschule.
  • Die Hochschule prüft die Bewerbungsunterlagen.
  • Der Kandidat wird aufgenommen und beginnt sein Studium.

Über die Hochschule

Die FH Jena wurde am 1. Oktober 1991 als erste Fachhochschule in den neuen Bundesländern gegründet. Seit 2012 heißt sie nach dem Wissenschaftler Ernst Abbe, der zusammen mit Carl Zeiss und Otto Schott die Fundamente für die moderne Optik schuf und in Jena starb. Mittlerweile studieren dort rund 4.500 Studenten, die von knapp 450 Dozenten bzw. Hochschulmitarbeitern betreut werden. Die EAH Jena konzentriert sich auf die drei Schwerpunkte Ingenieurswissenschaft, Sozialwissenschaft und Betriebswirtschaft. Zusammen mit der Weiterbildungseinrichtung Jenaer Akademie für Lebenslanges Lernen e.V. (JenALL) führt die EAH zwei MBA-Programme durch: Neben dem Health-Care-Management-Programm auch den MBA in General Management.

Fazit

Der MBA Health Care Management an der EAH Jena stellt eine Mischung aus Präsenzprogramm und Selbststudium dar: Etwa zweimal im Monat kommen die Studenten für je anderthalb Tage an den Campus, die Vor- und Nachbereitung der Seminare findet zuhause statt. Dadurch kann man sich die Zeit recht gut einteilen und das Studium ohne größere Problemen neben dem Job absolvieren.

Das Programm richtet sich an Ärzte oder Menschen, die in Krankenhäusern oder anderen Einrichtungen im Health-Care-Bereich arbeiten oder dies tun wollen. Dementsprechend werden dort wirtschaftswissenschaftliche Inhalte vermittelt, die auf den Gesundheitsbereich zugeschnitten sind. Wer hingegen ein allgemeineres MBA-Programm sucht, entscheidet sich eher für einen General-Management-MBA – einen solchen bietet auch die EAH an.

Gespräch mit Teilnehmern des Studiengangs

  • Dr. Christian Fleischhauer
    Selbständiger Facharzt für Allgemeinmedizin; er hat den MBA in Health Care Management 2012 begonnen
  • Dr. Albrecht Waschke
    Oberarzt am Universitätsklinikum Jena; aktueller Teilnehmer

Herr Fleischhauer, Herr Waschke, warum haben Sie sich für den MBA in Health Care Management an der EAH Jena entschieden?

Fleischhauer: Als Arzt hat man im Krankenhaus oder in der eigenen Praxis immer mehr mit betriebswirtschaftlichen Themen zu tun. Dieses wirtschaftswissenschaftliche Wissen wollte ich mir durch einen MBA aneignen. Schließlich war es mein Ziel , mich später mit einer eigenen Praxis selbständig zu machen. Für mich lag es deshalb nahe, einen MBA in Health Care Management zu absolvieren. Für Jena habe ich mich bewusst entschieden, weil ich nicht weit von der Hochschule entfernt wohne. Da ein berufsbegleitendes MBA-Programm parallel zum Job oft sehr zeitintensiv ist, brauchte ich einen Studiengang mit kurzen Anfahrtswegen! Zudem kooperierte das Institut für Allgemeinmedizin, wo ich damals arbeitete, mit der Ernst-Abbe-Hochschule Jena. Deshalb habe ich mich entschieden, hier auch den MBA zu machen.

Waschke: Das Studium bietet die Gelegenheit, sich vertieft in betriebswirtschaftliche Zusammenhänge in Bezug auf Krankenhaus und allgemeinen Gesundheitsmarkt, medizinjuristische und gesundheitspolitische Aspekte als auch Qualitätsorientierung im Gesundheitswesen einzuarbeiten. Die Vielfalt der Lehrinhalte, wie sie in Jena angeboten werden, sowie die große Anzahl an fachlich hervorragenden Referenten waren ausschlaggebend für die Wahl des Studienortes. Da ich in Jena arbeite, bedeutet der Standort Jena für mich natürlich auch unmittelbare Nähe zum Arbeitsplatz und damit eine etwas einfachere Koordination des Studiums mit Beruf und Familie.

Wo arbeiten Sie heute?

Fleischhauer: Ich habe seit 2015 eine eigene Praxis als Facharzt für Allgemeinmedizin.

Waschke: Derzeit bin ich als geschäftsführender Oberarzt an der Klinik für Neurochirurgie des Universitätsklinikums in Jena tätig.

Haben sich Ihre Erwartungen an Ihr Studium erfüllt? Gibt es (positive) Überraschungen?

Fleischhauer: Ich wollte zum einen verstehen, wie unser Gesundheitssystem funktioniert, denn leider hört man darüber nur wenig im Medizinstudium. Für die eigene Praxis wollte ich aber auch Führungs- und Personalkompetenzen erlernen, weil ich dort ja meine Mitarbeiter anleiten und motivieren muss. Diese Erwartungen haben sich erfüllt. Darüber hinaus habe ich mich aber auch in Wahlkursen, beispielsweise über IT im Gesundheitswesen, informieren können. Das hat sich für mich bezahlt gemacht.

Waschke: Meine Erwartungen wurden mehr als erfüllt! Es gab keine Lehrveranstaltung, aus der ich nicht irgendetwas für meinen Beruf hätte mitnehmen können. Besonders beeindruckend und nachhaltig für mich waren die Präsenzphasen in Medizinrecht und Gesundheitsökonomie, überraschend auch deswegen, da die persönlichen Erwartungen insbesondere an gesundheitsökonomische Fragestellungen eher mit einem etwas trockenen Bild behaftet waren, welches sich im Verlauf grundlegend gewandelt hat.

Wie würden Sie die Studierenden an der Hochschule und in ihrem Studiengang beschreiben?

Fleischhauer: Wir waren eine relativ gemischte Gruppe. Die meisten Teilnehmer waren Ärzte, es gab aber auch einige Juristen, Medizintechniker und sogar eine Architektin. Die Mischung fand ich gut, weil man nicht nur mit Ärzten zu tun hat, sondern auch Einblicke in andere Bereiche z.B. die Medizintechnik bekommt.

Waschke: Meine Kommilitonen sind allesamt sehr aufgeschlossen. Da wir eine bunte berufliche Mischung sind (Ärzte, Medizincontroller, Juristen, Finanzfachleute u.a.), gibt es über vielerlei Dinge angeregte und oft erhellende Diskussionen.

Inwiefern kann der MBA Ihnen für Ihre Karriere nützlich sein?

Fleischhauer: Ich profitiere bereits von dem Programm. Die wirtschaftswissenschaftlichen Kompetenzen kommen bei mir in der Praxis jetzt schon zum Tragen. Mir war auch das Netzwerk wichtig, das man durch das Studium bekommt. Denn z.B. eine juristische Frage kann mit den Studienkollegen kurz besprochen werden, ohne lange auf Hilfe warten zu müssen!

Waschke: Der MBA-Abschluss ist in meinen Augen einer der entscheidenden Bausteine für meine weitere Karriereplanung. Führungspositionen in Krankenhäusern werden in der heutigen Zeit zunehmend mit Persönlichkeiten besetzt, welche neben der fachlichen und wissenschaftlichen Qualifikation nachweislich einen betriebswirtschaftlichen Hintergrund mitbringen. Insofern ist der MBA die ideale Ergänzung zur Habilitation.

Inwiefern haben Sie noch Kontakt zu Ihren Kommilitonen, Dozenten oder anderen Alumnis?

Fleischhauer: Gerade mit den Kommilitonen hat sich eine enge Gemeinschaft herausgebildet. Wir treffen uns häufiger.

Waschke: Da ich noch studiere, besteht ein reger Austausch mit vielen Kommilitonen. Mit dem einen oder anderen Dozenten stehe ich auch auf Grund der nun anstehenden Masterarbeit vorwiegend über Email in Kontakt.

Was sollen künftige Studierende über die Hochschule und ihren Studiengang wissen?

Fleischhauer: Von der Hochschule wird man sehr gut betreut. Es wird nicht nur fürs leibliche Wohl gesorgt, sondern man bekommt auch vor den jeweiligen Seminaren die Unterlagen zugesandt. Insgesamt hat man während eines Semesters alle zwei Wochen Freitagnachmittag und den kompletten Samstag Unterricht. Man muss also schon Zeit investieren – auch für die Vorbereitung auf die einzelnen Lehrveranstaltungen. Davor sollte man die Unterlagen durcharbeiten, was auch etwas Zeit dauert.

Waschke: Die Ernst-Abbe-Hochschule in Jena ist nicht zuletzt aufgrund der hervorragenden Betreuung der Studierenden gerade für den Fern-MBA zu empfehlen. Die ein oder andere terminliche Kollision mit beruflichen Verpflichtungen ließ sich so problemlos umschiffen. Man sollte sich darüber im Klaren sein, dass trotz der freundlichen Atmosphäre und professionellen Betreuung ein gewisses Maß an Eigeninitiative Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Studienabschluss ist. Die Anforderungen sind für Fachfremde gerade in den betriebswirtschaftlichen Veranstaltungen in meinen Augen hoch, so dass ein teilweise erheblicher Lernaufwand resultiert.

Wie sehr vereinnahmt einen das Studium?

Fleischhauer: Es vereinnahmt einen neben dem Job schon, weil man sich kontinuierlich auf die Kurse vorbereiten muss, aber auch für die Klausuren immer wieder lernen muss. Ich selbst habe mit drei Kommilitonen eine Lerngruppe gegründet. Das war sehr effektiv.

Waschke: Um ehrlich zu sein, zunehmend weniger. Das liegt aber allein an der geringeren Dichte der Lehrveranstaltungen insbesondere im 4. Semester. Wenn ich jedoch auf die ersten drei Semester zurückschaue, dann war diese Zeit, wie schon gesagt, geprägt durch teilweise erheblichen Lern- und Leseaufwand. Das ein oder andere Wochenende ist ganz sicher nur für das Studium verwendet worden. Alles in allem ist es aber machbar, auch mit einem Vollzeitjob nebenbei!

Welchen Personen würden Sie das Programm empfehlen?

Fleischhauer: Natürlich Medizinern, die die Idee haben, eine eigene Praxis zu gründen oder eine Leitungsfunktion im Krankenhaus übernehmen möchten. Ebenfalls bietet es sich für den Bereich der akademisierten Pflege an. Auch Juristen, die beispielsweise im Controlling eines Krankenhauses arbeiten und die medizinischen Inhalte verstehen wollen, können von dem Studium profitieren.

Waschke: Ich denke, das Programm ist in erster Linie geeignet für Mediziner, die Führungspositionen in einer Klinik, aber auch in einer Praxis anstreben. Ebenso kann es eine gute Ergänzung für Angestellte in leitenden Positionen im Krankenhaussektor sein. Ein grundlegendes Interesse an Betriebswirtschaft im weiteren Sinn und auch juristischen Fragen sollte unbedingt vorhanden sein sowie die Bereitschaft, für etwas mehr als zwei Jahre wieder „die Schulbank“ zu drücken.

Bezeichnung des Abschlusses

Master of Business Administration (MBA)

Regelstudienzeit in Semestern

27 Monate

Vollzeit, Teilzeit oder beides möglich?

Teilzeit: etwa alle zwei Wochen absolvieren die Studenten freitags nachmittags und samstags die Module an der Hochschule

Kosten des Studiums

11.900 Euro (inkl. Semesterbeiträger der EAH Jena)

Formale Voraussetzungen für den Studiengang

  • Akademischer Erstabschluss mit mindestens 210 ECTS. Wer nur 180 ECTS vorweisen kann, holt die restlichen Creditpoints durch einen Sonderstudienplan nach
  • mindestens zwei Jahre Berufserfahrung
  • gute Englischkenntnisse

Welche technischen Voraussetzungen/Arbeitsmittel muss man mitbringen?

Keine besonderen EDV-Kenntnisse nötig

Welche Sprachen muss ein Bewerber können?

Englisch. Nachweis z. B. durch TOEFL (550 Punkte)

Akkreditierung

Agentur für Qualitätssicherung durch Akkreditierung von Studiengängen (AQAS)

Wie viele Professoren, Mitarbeiter und Studenten gibt es?

23 Professoren/Dozenten; 3 Mitarbeiter im MBA-Team; 42 aktuelle Teilnehmer, 7 Alumni.

Lassen Sie sich beraten:
Annett Hoffmann
Admissions/Weiterbildung am JenALL e. V.

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